Ankunft in Irkutsk und Sommerpause

Leicht verkatert verabschiede ich mich am nächsten Morgen von Viktor, Schuscha und Nemo und nehme Kurs auf Irkutsk.
Zu meiner Begeisterung bietet die Strecke zwischen Sljudjanka und Irkutsk zum ersten mal seit langem wieder reichlich Kurven. Mit Wonne zirkele ich durch die Haarnadeln und genieße die sibirische Frühlingswärme, die sich jetzt, da ich vom Seeufer entfernt fahre, wieder durchsetzt. In Irkutsk kehre ich in „Galinas Homestay“ ein, einer Pension, die mir Herbert empfohlen hatte. Galina, eine ältere Dame, kümmert sich hier seit vielen Jahren in einer Art “ Open House“ um Ihre Gäste. Stets ist Trubel in ihrer Küche. Entweder sitzen Gäste oder Freunde oder alle beisammen und tauschen sich aus. Zudem ist gerade ein Anthropologen-Kongress am See einberufen, so dass Galina diverse Wohnungen zugemietet hat und stets mit den Forschern umherwirbelt.
Nachdem ich eingecheckt habe, nehme ich Kontakt mit Aleksey auf, dem örtlichen Präsidenten des Bikerclubs „Black Bears“. Kostia aus Novosibirsk hatte mich den „Kumpels“ angekündigt. Aleksey wohnt ca. 100 km südlich von Irkutsk, ist an dem Tag verhindert und schickt seinen „Bruder“ Sergey. Sergeys Harley kündigt ihn schon von weitem an, bevor er mir die Stadt per Motorrad zeigen wird. Der 30jährige Ex-Soldat kümmert sich aufopfernd um mich, stellt mich sowohl dem bekanntesten Stadtstreuner von Irkutsk wie auch der Bikerszene, die sich nach Feierabend zum Plausch trifft, vor. Auch wird er den Stellplatz über den Sommer für mein Motorrad stellen.
Den nächsten Abend verbringe ich wieder mit Sergey, Alexey und Ihren Clubfreunden der Black Bears. Wir touren gemeinsam an die Mündung der Angara, dem einzigen Fluß, der den Baikal verlässt und gehen anschließend zusammen in die Banja, der russichen Version der Sauna.

Am nächsten Tag bin ich mit Olga, ebenfalls 30 Jahre alt, verabredet. Auch Ihren Kontakt habe ich von Herbert, sie hat ursprünglich Deutsch und Linguistik studiert, noch einen Master in Umweltwissenschaften drauf gesetzt, und arbeitet momentan für eine NGO, die Wanderwege um den Baikalsee anlegt, sowie im Sommer als Tourguide und Übersetzerin. Sie spricht fließend deutsch und englisch. Olga ist quasi ein wandelndes Baikal-Lexikon. Geduldig beantwortet Sie mir all meine Fragen. Ob sie bestätigen kann, dass der Tourismus am Baikal zugelegt hat, möchte ich wissen.
„Zugelegt hat er in der Tat,“ bestätigt sie mir, ob das schlecht für den See sei, darüber könne sie keine Aussage treffen. „Mich persönlich stört eher die chinesische Invasion, die damit einher geht,“ erklärt sie mir. „Die Chinesen lieben die Olchon Insel und haben sogar begonnen, Hotels und Pensionen zu übernehmen.“ fährt sie fort. Überhaupt könne Sie den Hype über die im mittleren Baikal gelegene Insel nicht ganz verstehen. Zusammen überlegen wir, wie meine weitere Route Ende August / Anfang September aussehen könnte. Eine Möglichkeit wäre, an der Ostseite des Sees gen Norden zu fahren und zu versuchen, auf unbefestigten Wegen nach Severobaikalsk durch zu kommen. Von dort könnte ich mit dem Schiff zurück fahren und anschließend meinen Weg nach Wladiwostok fortsetzen. Olga verspricht mir, sich nach einem englischsprachigem Motorrad-Fahrer umzuhören, der Lust haben könnte, mich zu begleiten. Anschließend hilft sie mir, noch ein Ticket für eine Tour mit der historischen Dampfeisenbahn, die am Baikal entlang führt, zu kaufen. Ein touristisches Highlight, dass mir schon Viktor empfohlen hatte.
Ich verbringe mein Motorrad in Sergeys Garage, nachdem ich mich erkundigt habe, ob ich auch den nächsten Satz Reifen in Irkutsk bekommen könnte, dann heißt es wieder Lebewohl für einige Monate der „gutmütigen Dame“ zu sagen.
Die tagesfüllende Eisenbahnfahrt mit der Dampflok bildet genau den richtigen Abschluss dieser Etappe. Einfach nichts tun und chauffiert werden. Ende August will ich zurück kommen. Dann geht es weiter Richtung Osten.

 

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