Von Choppern und Reifen

„You go Airport, you go Esenboğa“, versucht mir der BMW-Mechaniker der Niederlassung in der Innenstadt in Ankara zu erklären. Es hilft leider nichts, er kann kein Englisch, ich kein Türkisch, wir kommen nicht zum Ziel. Ich ziehe eine Passantin hinzu, die etwas mehr Englisch spricht, doch auch das bringt uns nicht weiter. Eigentlich wollte ich nur fragen, ob ich bei der Niederlassung Gaziantep die richtigen Reifen für mein Motorrad bekomme. Dafür will er mich jetzt zur 40 Kilometer entfernten Zweigstelle am Flughafen schicken? Schließlich gebe ich mich geschlagen und trete die halbstündige Fahrt durch Ankara an. Die Stadt kommt deutlich sauberer und entspannter daher als Istanbul. Manche Straßenzüge erinnern fast an deutsche Großstädte, der Verkehr ist erträglich. Während ich zum Flughafen gondele, choppern regelmäßig Kampfhubschrauber über mich hinweg. Ich erkenne einen Black Hawk, und frage mich ob er wohl aus dem Einsatz im Osten kommt. In Esenboğa angekommen, bin ich froh, hergefahren zu sein. Es empfängt mich der überaus hilfsbereite Nizzet Hacigüzzeler (30). Seit vier Jahren arbeitet der studierte Historiker im Service bei BMW. Sein Herz schlägt natürlich ebenso für die Zweiräder wie meines. „Schreib ruhig, dass Nizzet sehr traurig ist, weil er sein Motorrad für seine Hochzeit verkaufen musste!“, erklärt er lachend.  Immerhin hat er noch ein kleines Moped zum pendeln und kann sich gelegentlich eins in der Firma ausleihen. Er nimmt sich endlos Zeit, hin und her zu telefonieren und sich nach Reifen und Mechanikern zu erkundigen. Schließlich hat er einen Reifenhändler in Ankara gefunden, der mir die passenden Reifen nach Adana schicken wird. Sobald ich dort bin, steht dann die dortige Niederlassung bereit, mir diese aufzuziehen. Ich fahre also wieder zurück nach Ankara, wo sich der Reifenhändler als hiesige Touratech-Niederlassung entpuppt. Ich entscheide mich für ein paar Bridgstone Trailwings, die sollen zwar Mittelmaß sein, aber eine hohe Laufleistung bringen. Wir trinken Instant-Kaffee und führen Benzingespräche. Als ich anschließend zurück in die Wohnung meiner Großcousine kehre, die an der Bilkent-Uni als Chemieprofessorin lehrt und bei der ich untergekommen bin, wird mir klar, dass ich von Ankaras Sehenswürdigkeiten keine einzige mitgenommen habe. Dafür will ich mir am nächsten Tag eine Nacht in Göreme, Kappadokien, genehmigen. Der Kulturpark gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

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