Von Murghab nach Ishkashim

In der Nacht bekomme ich hämmernde Kopfschmerzen. Der Aufstieg von 1000 Metern in Osh auf 4200 in Murgab war wohl zu viel für mich. Ein erster Versuch mit Aspirin hilft nicht, schließlich verordne ich mir selbst eine kleine Dosis Kortison. Nach vier Stunden ist die Nach für mich vorbei, der Kopf schmerzt nicht mehr, aber ich bin trotzdem gerädert. So rolle ich gegen 8:00 Uhr kyrgisische Zeit (hier oben gelten die Zeiten beider Länder) vom Hof in Richtung Wakhan.

Die ersten 100 Kilometer sind noch Teer, dann biege ich links Richtung Süden auf die Schotterpiste Richtung Wakhan ab. Ich treffe noch einen Jeep mit zwei Russen und einer Französin, dann beginnt wieder die Leere. Es klingt abgedroschen – aber wenn man stundenlang alleine mit dem Motorrad auf 4000 Metern durch diese gigantischen Berge rollt, kommt man sich ganz schön klein vor. Als der Boden etwas sandiger wird, passe ich kurz nicht auf und schon liegt das Motorrad um. Außer meinem Ärger und wieder einem abgebrochenen Zusatzscheinwerfer, ist zum Glück nichts passiert. Nach einer Weile ein militärischer Kontrollposten am Kargush Pass. Ich halte an und gehe zur Hütte, doch sie ist leer. Nur die obligatorische Kladde liegt auf dem Tisch. In der Ferne sehe ich zwei Punkte durchs Tal auf mich zu eilen. Die beiden Soldaten hatten wohl nicht mehr mit Besuch gerechnet.

Am Nachmittag kommen mir dann doch noch Thorsten und seine Frau Beatrice in einem Geländewagen entgegen. Thorsten arbeitet seit einigen Jahren im deutschen Konsulat in Almaty, die beiden machen Urlaub. Eigentlich wollte ich nur bis nach Langar, dem ersten Ort im Wakhan fahren, doch die Beiden schwärmen mir von einem Homestay in Vichkut vor. „Sogar eine richtige Toilette mit Wasserspülung hatten die“, strahlt Thorsten, „und eine warme Dusche!“. Das überzeugt mich. Zudem liegt das Homestay direkt an der Zugangsstraße zum Yamchun Fort und zur Bibi-Fatima Thermalquelle. Als ich die Serpentinen in Richtung Homestay hoch blubbere kommen mir zwei Russen auf BMW’s entgegen. „We just buy Vodka in market!“, ruft mir der Eine zu. „Seven motorcycles up there in hotel at spring, we back in five minutes!“ der Andere. Während ich im Weiterfahren noch überlege, ob ich mich dazu gesellen soll, nähert sich von hinten ein weiteres Motorrad. Es ist David, der Guide der MuzToo-Gruppe, die mir Kamil angekündigt hatte. Im Schlepptau hat er seine knapp 8 Tourteilnehmer und das Begleitfahrzeug. Sie übernachten ebenfalls im Hotel an der Quelle. Ich entscheide mich fürs empfohlene Homestay, in dem schon die Holländer Corin und Rodek eingecheckt sind. Hier an der Bibi-Fatima-Quelle scheint sich der spärliche Tourismus dann doch zu bündeln. Nach dem langen Fahrtag und den wenigen Konversationen der letzten Tage, genieße ich beim Abendessen das lange Gespräch auf Englisch mit Corin und Rodek.

Als ich am Morgen noch den Besuch am Yamchun Fort machen und ein Bad in der Quelle nehmen will, kommt mir dann doch noch Reinhold aus Rosenheim entgegen. Er war die ganze Zeit hinter mir, ist aber deutlich langsamer unterwegs. „Weißt Du, mir als Renter ist egal ob ich einen Tag länger brauche.“ erklärt er. Er hat mittags um 12 seine Tagesetappe schon beendet. Ich möchte noch weiter nach Chorug. Ans alleine Fahren habe ich mich eh schon gewöhnt.

 

 

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