Zwangsaufenthalt in Tashanta

Es läuft zäh. Ich bin seit 6 Uhr morgens unterwegs, nachdem ich nur vier Stunden geschlafen habe. Vorgenommen hatte ich mir 850 Kilometer für den ersten Tag, aber jetzt ist es 14 Uhr, und ich bin gerade mal in Biisk. Hier will ich mich noch schnell mit Dollars für die Mongolei versorgen, dann geht es weiter. 70 Kilometer vor Aktash, meinem ursprünglichen Ziel gebe ich dann auf. Es wird Dunkel, und ich halte an einer Gostiniza. Zimmer hat es keine mehr, aber ich bekomme eine simple Holzhütte mit Bett am Fluss für umgerechnet 7 €. Auf der Veranda des Restaurants sitzen Vicenc und Josip aus Barcelona. Die beiden sind Rentner und auf Classic Bikes unterwegs, einer BMW R65 und R100. Vicenc ist der erste Besitzer seiner R100 und hat über 200 000 Kilometer abgespult. Sie sind coole Typen, eher entspannt und nicht offroad unterwegs. Es ist klar, dass wir am nächsten Morgen getrennt fahren. Ich will eh noch einen Abstecher zum Pass Katu-Jarik nördlich von Aktash machen.

Die Straße von Aktash in Richtung Ulagan ist länger als gedacht, aber entschädigt durch eine unglaubliche Landschaft. So kennt man Sibirien aus dem Fernsehen: endlose Nadelwälder, zwischendurch Flüsschen, Seen und Berge. Irgendwo da draußen sind bestimmt auch noch ein paar Bären vor den Gewehren der Jäger verschont geblieben. Das letzte Stück in Richtung Passstraße sind 20 Kilometer offroad. Ich genieße es, endlich mal wieder legal über Waldwege düsen zu dürfen. Der Pass besticht mit einem Wahnsinnsausblick. Auf dem Weg nach unten treffe ich noch Brigitte und Ivo. (http://www.bikepackground.com/) Die beiden sind seit Jahren auf Ihren Fahrrädern unterwegs, kennen die Mongolei wohl wie ihre Westentasche und geben mir wertvolle Tips zur Route.

Als ich mir unten ein paar mitgebrachte Waffeln einverleibe, lädt mich ein stämmiger Outdoor-Russe zu seiner Familie an den Grill ein. „Die Waffeln da, das ist doch nichts!“, ruft er. Mir tut es in der Seele weh, aber ich muss seine Einladung ablehnen. Ich will die Mongolei noch erreichen, denn die Grenze macht um 18 Uhr dicht.

Nachdem ich mich ein paar weitere Stunden durch die schönen Berge des Altei geschlängelt habe, wird mir klar, dass das mit der Grenze knapp wird. Zehn Minuten vor 18 Uhr rolle ich in Taschanta, dem letzten Ort vor der Grenze ein. Ich versuche es gar nicht mehr, sondern checke im neu gebauten „Hotel“ am Eingang der Stadt ein. Sogleich bereue ich, es nicht an der Grenze probiert zu haben. Die Dame im Hotel erklärt mit nämlich, dass die Grenze sonntags zu hat, heute ist Samstag. In Taschanta gibt es 20 Häuser, einen Checkpoint und ein Geschäft. Ein Traum.

 

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